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Kleppelsdorf Geschichte 1

 

freunde, was wißt ihr von Kleppelsdorf?

(Löwenberger Heimatgrüße, Nr. 18/1969 s. 10,11)

 

Von Wilhelm Müller-Rüdersdorf

Und meines Erdenwanderns letzte Reise

Mög - so Gott will - Rückkehr zur

Heimat sein;

Auf freien Herbstespfaden selig-leise

Die Heimfahrt in den Kinderlenz hinein.

Daß sacht ich trink' daheim die vollste Süße,

Die mir ins Dasein Heimatgüte goß,

Und der entirrten meine Unrastfüße,

Hin, wo viel fremde Bitternis mir floß.

 

Es gibt Dörfer des Kreises Löwenberg, die in unserer Zeitung "Löwenberger Heimatgrüße" seltener genannt werden, manchmal vergehen Monate, manchmal sogar Jahre, ehe der Name eines solchen Dorfes wieder auftaucht. Ein solches Dorf wollen wir uns heute einmal herausgreifen. Wir wollen aufzeichnen und niederschreiben, was wir von Kleppelsdorf wissen.

Wir nehmen erst einmal unser "Schlesisches Ortschaftsverzeichnis" von 1941 zur Hand. Dort finden wir vermerkt, daß Kleppelsdorf in jenem Jahre 369 Einwohner zählte, daß es 17 Kilometer von der Kreisstadt Löwenberg entfernt war, daß sich die evangelische wie die katholische Kirche für die Kleppelsdorfer in Lähn befand, wohin sie nur einen Weg von nur drei Kilometern zurückzulegen hatten, daß auch Amtsgericht, Post, Eisenbahnstation und Standesamt für die Bewohner von Kleppelsdorf in Lähn zu suchen waren.

Schlagen wir unser "Schlesisches Adreßbuch" aus dem Jahre 1907 auf, so finden wir, daß Kleppelsdorf damals 390 Einwohner zählte, daß es einen Gasthof gab, den Herr earl Richter besaß, daß der Bäcker des Dorfes Adolph Heinrich hieß, daß das Rittergut Herrn Wilhelm Rohrbeck gehörte, daß es einen Korbmacher im Dorfe gab, den August Geisler und daß der Polzin-Otto das Handwerk eines Kürschners in Kleppelsdorf ausübte. Die Wassermühle gehörte dem Müllermeister Adolt Heinrich und der Schuhmacher, der den Kleppelsdorfern die Schuhe und Stiefeln besohlte und flickte, hieß Anton Lechner. Damit sind die Angaben unseres "Schlesischen Adreßbuches" leider schon erschöpft.

Aber was wissen wir noch von Kleppelsdorf? Natürlich hatte der Ort ein Dominium, ein Rittergut. Und da haben wir mancherlei über die Besitzer desselben zusammengetragen, was vielleicht nicht ohne Interesse sein dürfte.

Da haben wir ganz sichere Nachricht, daß Kleppelsdorf von 1870 bis 1893 - da es verkauft wurde - dem Rittergutsbesitzer Georg Matthaei gehörte. Dieser Georg Matthaei wurde am 24. Juli 1845 zu Kleppelsdorf geboren, denn schon sein Vater - darauf kommen wir noch zurück - besaß das Rittergut. Georg Matthaei also, der 1870 das Rittergut als Erbe übernommen hatte, nahm als Leutnant am Feldzuge gegen Frankreich ¬ wir reden hier vom Kriege 1870/71 - teil und kämpfte mit bei Weißenburg, Wörth und Sedan. Am 19. Januar 1871 wurde er in der Schlacht am Mont Valerien schwer verwundet. Er erhielt für seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

Verheiratet war Georg Matthaei seit dem 8. Januar 1870 mit der Kaufmannstochter Henriette Hülse, mit der er zusammen - nachdem er 1893 Kleppelsdorf verkauft hatte - nach Herischdorf zog und dort seinen Lebensabend verbrachte.

Der Vater des eben genannten Georg Matthaei hieß Julius Ludwig Matthaei, am 7. Januar 1808 zu Bunzlau geboren, am 1. März 1873 zu Kleppelsdorf gestorben. Sein Vater war ein vermögender Tuchkaufmann zu Bunzlau. Dieser Julius Matthaei studierte von 1830 bis 1833 in Breslau Rechtswissenschaften und wurde dort Mitglied der Breslauer Burschenschaft "die Raczeks". Im Jahre 1839 wurde er als Kreisrichter nach Lähn beordert

und in diesem Amte wirkte er bis zum Jahre 1872. Von Lähn aus war es ja nur eine halbe Stunde nach Kleppelsdorf, und so lag es nahe, daß Julius Matthaei die Tochter des Kleppelsdorfer Gutsherrn Ludwig Held d'Arle - Clara Held von Arle - kennenlernte und am 25. September 1841 in der evangelischen Kirche zu Lähn mit ihr getraut wurde.

Nun müssen wir uns die Familie Held von Arle oder Held d'Arle näher ansehen, denn sie ist es, die seit etwa 1750 das Rittergut Kleppelsdorf mit Gießhübel, Schellenberg und Kuttenberg besitzt. Der Vater unserer Clara Held von Are war ein sehr patriotisch gesonnener Mann:

Karl Friedrich Ludwig Held d'Arles, der am 16. Februar 1786 geboren ward, mit Sicherheit wissen wir seinen Geburtsort nicht, aber es ist anzunehmen, daß er in Kleppelsdorf zur Welt kam, Am 15. Juni 1839 starb er zu Kleppelsdorf als preußischer Major und Landesältester. Als junger Mann war er in das Dragoner-Regiment von Krafft in Sagan eingetreten; mit diesem Regiment hatte er am unglücklichen Feldzug Preußens gegen

Frankreich von 1806 teilgenommen und war in Gefangenschaft geraten. Nach dem Frieden von Tilsit, da Preußen durch Napoleon so viele Fesseln auferlegt wurden, trat er ins sächsische Heer ein, doch als im Jahre 1813 König Friedrich Wilhelm III. seinen "Aufruf an mein Volk" veröffentlicht hatte und alle wehrfähigen Männer Preußens zu den Waffen rief, nahm Held d'Arle von der sächsischen Armee seinen Abschied. Er eilte nach Kleppelsdorf und zog seinem Vater das beste pferd aus dem Stalle, einen Schimmel, mit dem er ins "National-Kavallerie-Regiment" eintrat und als Offizier unter Blücher bei Bautzen kämpfte. Er nahm auch an der Schlacht an der Katzbach teil und während er vor dem Treffen bei Löwenberg in der Gegend von Jauer stand, wurde sein Vaterhaus, das Herrenhaus zu Kleppelsdorf völlig ausgeplündert.

Ludwig Held d'Arle kämpfte auch in der Völkerschlacht bei Leipzig, bei Laon und Ligny und nahm nach der Schlacht bei La-BeIle-Alliance an der Verfolgung des Feindes teil. Sein Schimmel, den er seinem Vater aus dem Stalle geholt hatte, trug den Draufgänger bis nach Paris. Für seinen Kampfesmut wurde er mit dem Eisernen Kreuz und dem russischen St.-Annen-Orden ausgezeichnet. Von 1815 bis 1817 war Held d'Arle Rittmeister im 7. Husaren-Regiment, im Jahre 1821 wurde er zum Kommandanten der 2. Eskadron im Landwehr-Regiment Nr. 6 ernannt.

Seiner Ehe mit Amalie Florentine Gielczewski entsproß eine einzige Tochter, die am 20. August 1821 zu Kleppelsdorf geborene Clara, welche später die Frau des Kreisrichters Matthaei zu Lähn wurde.

Unsere Aufzeichnungen weisen jetzt leider eine Lücke auf, denn den Namen des Vaters unseres Kriegshelden von 1813 und 1815 haben wir leider nicht ermitteln können. Sein Großvater jedoch ist uns wieder bekannt. Er heißt Lorenz Jakob Held d'Arle, wird uns als Erbherr auf Kleppelsdorf genannt, besitzt zugleich auch Gießhübel, Kuttenberg und Schellenberg und ist Königlich Preußischer Rittmeister a. D. Von 1758 bis 1774 ist er Deputierter in der Ständekammer und Marsch-Commissarius des Löwenberger und Bunzlauer Kreises. Geboren wurde er am 4. Juni 1704, gestorben ist er am 29. Februar 1776 zu Kleppelsdorf. Die Ehe schloß er am 10. August 1746 zu Kranz an der Oder. Seine Frau hieß Johanne Henriette Riemer von Riemberg, geboren 1729, gestorben am 10. September 1787 zu Hirschberg.

Dieser Lorenz Jakob Held d'Arle stammte aus Ansbach-Bayreuth, wo sein Vater Justinus Held d'Arle Fürstlicher Hof- und Justizrat war. Doch offenbar ist Kleppelsdorf, ehe es von Lorenz Jakob Held d'Arle besitzmäßig übernommen wurde, kurze Zeit Eigentum der Familie Riemer von Riemberg gewesen. Der Johanne Henriette Riemer von Riemberg Mutter hieß Johanna Martha von Close. Sie starb im Alter von 19 Jahren am 12. März 1729 nach der Geburt ihres einzigen Kindes, der Tochter Johanne Henritte Riemer von Riemberg.

Johanna Martha von Close ward im Jahre 1710 in Kleppelsdorf geboren und wurde am 14. Mai 1727 zu St. Elisabeth in Breslau dem Erb- und Grundherrn zu Kranz an der Oder Johann August Riemer von Riemberg angetraut.

Johann Heinrich von Close - der Vater der genannten Johanna Martha von Close - ist der nächste Besitzer von Kleppelsdorf, Kuttenberg, Schellenberg und Gießhübel, von dessen Existenz wir ganz sichere Kunde haben. Er wurde im Jahre 1680 geboren und starb am 12. Mai 1732 zu Kleppelsdorf. Seine Ehefrau hieß Martha Caspari. Dieser Johann Heinrich von Close hatte am 22. März 1710 den böhmischen Ritterstand erhalten. Vordem also hatte er schlicht Klose oder Clos geheißen und erst nach der Standes erhöhung durfte er sich "von Close" nennen.

Wenn wir in der Geschichte des Rittergutes Kleppelsdorf noch ein wenig weiter zurückgehen wollen, dann finden wir im 17, Jahrhundert den Junker Abraham von Zedlitz als Erbherrn von Kleppelsdorf. Als solcher jedenfalls wird er noch genannt, als seine Frau - Barbara Elisabeth von Seidlitz - am 31. Mai 1694 in Baudmannsdorf im Kreise Goldberg stirbt.

Und schlagen wir das Werk "Schlesische Curiositäten" von Johannes Sinapius auf, das 1728 in Breslau erschien, da finden wir auf Seite 496 unter den "Anderen Linien" der Familie von Zedlitz:

"Anno 1465 - Hans Schlegel von Kleppelsdorf,

Anno 1626 - Caspar von Zedlitz auf Kuttenberg, Kleppelsdorf und Gießhübel,

Anno 1668, 17. Decembris, starb im 60.

Jahr zu Lignitz Melchior von Zedlitz, Schlegel genannt, aus dem Hause Kleppelsaorf auf Preilsdorf, liegt zu St. Peter und Paul in Liegnitz begraben.

Vor weniger Zeit war Herr Abraham von Zedlitz auf Kleppelsdorf, Kuttenberg und Gießhübel im Lembergisch-Jaurischen. "

Mit diesem zuletztgenannten Abraham von Zedlitz ist sicher der gleiche gemeint, den wir bereits als Eheherrn der Barbara Elisabeth von Seidlitz, welche 1694 starb, genannt haben.

Damit haben wir schon mancherlei aus der Geschichte Kleppelsdorfs erwähnt. Aber es gibt noch mehr, was hier zu nennen ist, etwa daß Kleppelsdorf am 22. November 1622 von Kosaken überfallen wurde, daß Kleppelsdorf am 9. Mai 1731 mit der Wassermühle und dem Rittergute niederbrannte, daß 1757 und 1761 der österreichische General Laudon mit seiner Armee auf den Kleppelsdorfer Feldernstand und daß am 29. März 1807 bayerische Söldner, die im Dienste Napoleons standen, das Rittergut ausplünderten.

Damit wollen wir unseren kurzen Rückblick auf die Vergangenheit Kleppelsdorfs beschließen. "Was wißt ihr von Kleppelsdorf?" lautete die gestellte Frage in der Uberschrift; der Leser wird sehr bald festgestellt haben, daß es der historischen Begebenheiten mehr gibt, als ihm bisher geläufig gewesen sind, denn jedes Dorf, jede Familie und sogar jedes Haus hat seine Geschichte. Es kommt nur darauf an, ob sich jemand findet, der diese Geschichte aufzuzeichnen bemüht ist.

Kopie erhalten von Doris Baumert