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Kleppelsdorf Geschichte 2

 

Freunde, was wißt ihr von Kleppelsdorf.

Erinnerungen und eine Berichtigung.

(Löwenberger Heimatgrüße, Nr. 20/1969 s. 8)

Daß sich die Geschichte von Kleppelsdorf so weit zurückverfolgen läßt, war mir unbekannt, und es interessierte mich, in den "Heimatgrüßen" darüber zu lesen. Zugleich sind Erinnerungen an nicht so weit zurückliegende Zeiten wach geworden. Kleppelsdorf wurde in ganz Deutschland bekannt, als im Frühjahr 1921 die junge Besitzerin des Rittergutes - Dorothea Rohrbeck - ermordet wurde und erlangte so eine traurige Berühmtheit. Wer das Opfer des Mordes, die "Dörthe", gekannt hatte, war von Trauer und Empörung über ihren Tod erfüllt. Auch jetzt ist das Geschehen noch nicht vergessen, denn über den Mord wurde unlängst wieder (leider in sensationeller Art) geschrieben.

An das Schloß, den Park, das schöne Dominium mit dem prächtigen, gepflegten Viehbestand werden sich viele aus unserer Heimat noch erinnern. Bei den Aufzählungen nach dem Adreßbuch von 1907 fehlt die "Zobel-Schmiede". Wo die Grenze zwischen Kleppelsdorf und Arnsberg war, ist mir nicht in genauer Erinnerung. War sie am Dorfbach? Gehörten die Landwirtschaft von Gebuhr und der Laden von Heinisch noch zu Kleppelsdorf und die Wirtschaften von Gottwald, Schenk sowie das schöne Haus von Brückners am Wege zum Kleppelsdorfer Teich? Dieser Teich war für uns Lähner Kinder die Schlittschuhbahn, die wir allerdings selber vom Schnee räumen mußten. Die Grenze zwischen Lähn und Kleppelsdorf war der Bober. Und hier kommt die Berichtigung: es war von Lähn nach Kleppelsdorf nicht 3 km. Man ging nur über die Boberbrücke, schon war man beim Kleppelsdorfer Gerichtskretscham. Die erwähnten Richter hatten etwa 1907/08 bei Lähn das Waldschlößchen erbauen lassen, welches beim Nachfolger - bei Schützes - eine sehr beliebte, viel aufgesuchte Gaststätte wurde. Vielleicht sind auch Löwenberger dort eingekehrt.

Den Kleppelsdorfer Kretscham übernahmen, von Wünsmendorf kommend, Hilbigs. Auch diese Gaststätte war weit bekannt und gern aufgesucht. Auf dem Hilbigsmen Grundstück stand auch das Haus, in welchem Polzins wohnten. Herr Polzin war, außer Kürschner, der Zolleinnehmer. Wer erinnert sich noch an das Zollhaus in der Nähe der alten Boberbrücke, an der Waltersdorfer Chaussee, die Löwenberg mit Hirschberg verbindet? Nachts war der Zollbaum heruntergelassen, und kam man zu später Stunde zu. Fuß beim Zollhaus vorbei, so mußte man unter der Zollschranke hindurchkriechen .. Die ganze Nacht brannte im Zollhaus ein Licht, in einer Zeit, da man die Nacht noch nicht zum Tage machte, war dies eine Ausnahme.

Die Kinder aus Kleppelsdorf gehörten zum Schulbezirk Kuttenberg und wurde in Lähn als "Gast-Schulkinder" geführt. Wie nahe Kleppelsdorf an Lähn liegt, geht auch daraus hervor, daß viele Lähhner, als die Milch noch nicht in Molkereien geliefert wurde, diese vom Dominium holten. Nicht vorbehandelt wurde die Milch - wie hoch mag ihr Fettgehalt gewesen sein? - direkt ab Kuhstall verkauft.

Wenn es auch schon 50 Jahre her ist, daß im zu den Lähnern zählte und im vor fast 25 Jahren, von Hirschberg kommend, zum letzten Mal in Lähn war, als Lähn und Lehnhaus im Frühjahr 1945 geräumt werden mußten, so erwachten bei der Überschrift "Kleppelsdorf" viele Erinnerungen an unsere unvergessene Heimat und an die Wanderungen, auch zu der Laudon-Fichte, nach Kuttenberg, Kaltenstein, Eulengrund, Gießhübel und den Eichhäusern. Es wird manchem so ergangen sein: Die Heimat stand wieder vor Augen! Für den geschichtlichen Rückblick auf Kleppelsdorf müssen wir danken. Die früheren Besitzer sind uns nur dem Namen nach bekannt gewesen, soweit sie auf den Gedenktafeln, auf dem Lähner Friedhof, zu lesen waren.

Margarethe Engler, geb. Reimann

 

 

Kopie erhalten von Doris Baumert